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lördag, april 09, 2011

Die Handwerker und Lenker der Erde

Nordische Mythologie Teil 6 - Der Bauplan der Erde

Auf der Scheibe mit dem Blutmeer, das die ganze Erde bedeckte, drückten Oden und seine Brüder eine Teil in Höhe, damit in der Mitte der Scheibe eine trockene Fläche entstand. Dieses neue Land nannten sie Mitgård und dessen nördlichsten und östlichsten Teilen gaben sie den Namen Jotunheim. Zwischen Mitgård und Jotunheim verläuft eine mit Wasser gefüllte Tiefe mit starkem Wellengang, so dass Mitgård von allen Seiten von Wasser umgeben ist.

Nicht alle Nachfolger des Riesen Ymer waren so böse wie ihr Urvater, denn mit jeder neuen Generation nahm die Bosheit ab. Mit diesen freundlicheren Riesen zeigte sich Oden milde und wenn einer von ihnen die Küste Jotunheims zu seiner Rettung erklettern wollte, so ließ er dies geschehen und stiess sie nicht zurück in die Flut, in der die anderen Familienmitglieder ertranken.

Diese freundlicher gesinnte Riesen durften auf Jotunheim ihr eigenes Reich aufbauen. Eine dieser Riesinnen war Gullveig, die die Freundschaft der Götter gewinnen konnte, ebenso wie Loke, für den Oden sogar eine gewisse Schwäche zeigte. Die Götter ahnten in jenem Moment nicht zu welchen Feinden sich die freundliche Gullveig und der schöne Riesen-Jüngling Loke im Laufe der Zeit entwickeln würden.

Die Gebeine Ymers wurden von den Göttern als Baumaterial für die Erde verwendet, was die Arbeiten beschleunigen sollte. Aber es fehlten noch die Handwerker, die alle Teile der Erde gestalten konnten. Deshalb trafen sich die Götter mit Mimer zum ersten Ting, dem Rat der Götter, um zu entscheiden wie viele Hilfskräfte man bei der Schaffung der Erde benötigte und welche Arbeiten in welcher Reihenfolge nötig waren.

Mimer wurde zum Baumeister ernannt und sollte zusammen mit dem Feuerriesen Surt (auch Durin genannt) all die Schwarzalven und Zwerge schaffen, die nötig waren um das große Werk in Angriff nehmen zu können und auch zu beenden. Die Lebenskörner, die für diese neuen Wesen nötig waren, fanden Mimer und Surt im Blut und anderen Körperteilen des toten Riesen Ymer. Diese Lebenskörner führten auch dazu, dass die Schwarzalven und Zwerge außerordentliche Kunsthandwerker wurden. Mimer schuf die Zwerge und Surt die Schwarzalven, die deshalb als seine Söhne bezeichnet wurden.

Nachdem Schwarzalfen und Zwerge geschaffen waren, begann eine rege Arbeit auf der Ebene Idaslätter in der nordischen Unterwelt. Man begann damit all die Werkzeuge und Hilfmittel zu schmieden, die benötigt wurden um die im Detail geplante Erde zu gestalten, wobei auch schon der Schmuck hergestellt wurde, der die späteren Bewohner der Erde schmücken sollte.

Während der Ting-Sitzung hatten Mimer und die Götter beschlossen mit einem Himmelgewölbe zu beginnen, auf dem Sonne und Mond feste Bahnen einnehmen sollten, die Tag und Nacht erscheinen ließen und mit deren Hilfe die Menschen die Zeit berechnen konnten und ein Zeichen erhielten, das ihnen sagte, wann sie schlafen sollten. Dieses Himmelsgewölbe wurde aus dem Schädel Ymers geschaffen, wobei sein Gehirn in Sturmwolken verwandelt wurde, die unterhalb des Gewölbes durch die Luft wirbeln sollten.


Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, april 06, 2011

Der Untergang der eisigen Riesen und die Wächter von Hvergelmer

Nordische Mythologie Teil 5 - Die Vorbereitung der Erde

Nachdem Oden Mjöd getrunken und von Mimer die wichtigsten Zaubersprüche (Runen) erhalten hatte, fühlte er sich stark genug die Oberwelt mit der Erde von den Urgiganten zu befreien, also von Ymer und seinen Nachkommen.

Oden machte sich daher in Begleitung seiner Brüder Höner und Lodur auf den Weg zur oberen Welt, die sich im Geäst von Yggdrasil, dem Weltenbaum, befand. Ihre erste Tat dort war den grausamen Riesen Ymer zu töten, indem sie ihm die Halsschlagader aufschnitten. Das viele Blut aus dem Körper Ymers wurde zu einem Ozean in dem die Nachkommen des Riesen ertranken.

Aber genauer genommen wurden nur die Körper der Nachkommen Ymers getötet, denn die Seelen lebten weiter und verschwanden in der Unterwelt, wo sie sich nördlich des Nidalfjället in Nifelheim niederließen, einem Teil des Reiches, wo die ewige Nacht herrschte und frostige Nebelschwaden über stinkende Sümpfe schwebten.

In diesem Teil von Nifelheim bauten sich die Seelen der Nachfolger Ymers einen großen Saal und entwickelten sich zu gefährlichen Gegnern Mimers. Zum Geschlecht der Nachfolger Ymers gehörten die Geister der Krankheit, böse Zwerge, Morn (die unsterbliche Angst), Tope (der Wahnsinn), Ope (die herzzerreißenden Tränen) und Otåle (die permanente Unruhe und Sorge).

Zum Schutz gegen diese eisigen, hartherzigen Wesen stellten Mimer und Oden an der Quelle Hvergelmer, die die Grenze zu Nifelheim ausmachte, Wachen auf. Diese Wachen wurden von den Alven Ivalde und seinen drei Söhnen ausgewählt und geführt. Diese vier Alven hatten den Göttern der nordischen Mythologie ewige Treue geschworen und waren  nicht nur tapfere Kämpfer, sondern auch außerordentlich geschickte Künstler.

Die drei Söhne Ivaldes hatten von Mimer persönlich die Schmiedekunst gelernt, wobei Valand (oft auch Völund genannt) der geschickteste unter ihnen war und Kunstwerke schuf, die sonst nur Sindre, ein Sohn Mimers, zu Stande brachte. Unter den Brüdern Valands war Egil einer des besten Bogenschützen der Vorzeit und Slagfinn ein hervorragender Skiläufer.


Copyright: Herbert Kårlin

lördag, mars 26, 2011

Midgårdsormen oder Jörmungandr, das Band um die Erde

Midgårdsormen oder Jömungandr (der riesige Stab) ist eine Schlange in der nordischen Mythologie, die dem Geschlecht der Riesen angehört und ist eines der Kinder von Loke und Angerboda. Seine Geschwister sind Hel, Fenrisulven, Narfe ond Sleiper, alles Wesen, die eine wichtige Rolle in der vornordischen Zeit einnahmen. Wegen seiner Länge wird die Schlange Midgårdsormen oft auch als das Band der Erde bezeichnet.

Ursprünglich wohnte Midgårdsormen mit seinen Eltern und Geschwistern in Asgård, dem Reich der Götter. Als jedoch die Schlange immer größer und länger wurde, wollte Oden sie los werden. Er warf sie daher in das Weltenmeer, den unendlichen Ozean, wo sie bis Ragnarök verblieb. Als Oden sie ins Wasser warf, war Midgårdsormen bereits so lang, dass sich die Schlange rund um Midgård, das Reich der Menschen, legen konnte und sich dabei auch noch in den Schwanz beißen konnte.

Der Donnergott Tor trifft die Schlange Midgårdsormen dreimal während seines Lebens. Einmal, als die Schlange noch klein war und er sie in die Luft hob, in der Annahme, dass es sich um eine Katze handelte, ein zweites Mal, als er mit Hymer zum Fischen auf See war und er Midgårdsormen mit seinem Hammer Mjölner töten wollte, aber von Hymer daran gehindert wurde. Und ein drittes Mal bei Ragnarök, wo beide gegeneinander kämpfen und sich schließlich gegenseitig töten.

Midgårdsormen gehört bis heute zu den Figuren der nordischen Mythologie, die Schauspieler und Musiker inspirieren, aber auch viele Künstler anregen. Es gibt zahlreiche Skulpturen und vor allem Schmuckstücke, die Midgårdsormen genannt werden. Erst 2010 schufen Henrik Hallgren und Sabina Henriksson ein musikalisches Theaterstück mit dem Namen „Ur Tor & Midgårdsormen“.

Copyright: Herbert Kårlin
 

måndag, mars 21, 2011

Ymer, der Riese, der aus Raureif und Funken entstand

Der Riese Ymer oder Aurgelmer, wie er auch genannt wird, wurde nach der nordischen Mythologie aus dem Raureif in Nifelheim und den Funken aus Muspelheim geschaffen, wobei er in Ginnungagap lebt, das sich zwischen Nifelheim und Muspelheim befindet und das ursprüngliche Chaos darstellt. Gleichzeitig mit Ymer entstand , ebenfalls aus Raureif, die Urkuh Audhumbla, die Ymer mit ihrer Milch ernährte.

Ymer war das erste Wesen der nordischen Mythologie. Während der Riese schlief, wuchsen unter seiner linken Hand ein Mann und eine Frau und aus seinen beiden Füßen ein dreiköpfiger Sohn. Diese Nachfolger Ymers sind die Urväter aller Riesen.

Ymer wurde von drei seiner Nachkommen, nämlich Oden, Vile und Ve getötet, die dann aus seinem Körper die Welt schufen. Aus seinem Fleisch wurde die Erde, aus seinem Blut Wasser, den Gebeinen die Berge, seinen Haaren Bäume, aus seinem Totenkopf der Himmel und seinem Gehirn die Wolken. Alle seine Teile wurden zu einem Teil von Himmel und Erde.

Ymer ist vermutlich das Wesen, das in Schweden, und ganz Skandinavien, die meisten Spuren hinterlassen hat, denn nach ihm wurde eine Insel benannt, ein Eisbrecher, eine dänische Yoghurt-Sorte, aber auch Werbebüros, Altersheime und Sportverbände. Ymer ist selbst ein geläufiger schwedischer Vorname, auch wenn er heute nicht mehr unter den 100 häufigsten Namen des Landes zu finden ist.
Copyright: Herbert Kårlin