tisdag, juni 14, 2011

Tor und Loke beim Riesen Fjalar

Nordische Mythologie Teil 28 - Das Wettessen Lokes

Trotz der Erlebnisse der Nacht und den Warnungen Skrymers dachte Tor nicht eine Sekunde darüber nach die Reise aufzugeben, unabhängig davon, wie das Abenteuer enden sollte.

So wanderten Tor und Loke im Halbdunkel, das das Reich Fjalars nie verließ, weiter, bis sie zu einem Gebäude kamen, das noch größer als Valhall war und von einem gigantischen Zaun umgeben war. Da selbst Tor nicht die nötige dazu Kraft hatte die Pforte aufzustoßen, zwängten sich die beiden Reisenden durch eine kleine Spalte. Auf der anderen Seite sahen sie die Tür zum Gebäude weit offen und konnten auf einen riesigen Speisesaal blicken.

Tor und Loke nahmen die Treppen zu diesem Saal und entdeckten Fjalar auf einer Anhöhe sitzen, während rechts und links seine Freunde, Diener und das Hausvolk auf Bänken saß. Fjalar und die anderen Riesen im Raum waren mindestens so groß wie Skrymer, so dass Tor eher wie ein kleines Kind unter ihnen wirkte.

Tor und Loke näherten sich Fjalar um ihn zu begrüßen. Dieser hieß sie willkommen und fragte die beiden nach ihrem Namen, was sie ihm gerne beantworteten. Da der Tisch gerade zum Essen vorbereitet wurde, lud sie Skrymer dazu ein und sie nahmen an seiner Seite Platz.

Während des Essens kam das Gespräch auf sportliche Aktivitäten und Skrymer lobte jeden seiner Männer für die Leistungen, die sie bringen konnten. Danach fragte er Tor und Loke welchen Sport sie ausübten. Loke antwortete als erster und sagte, dass er schnell und viel essen könne, aber eigentlich nicht sehr viel von einem Sportler habe.

Skrymer lachte über diese Antwort und meinte anschließend zu Loke, dass ihm gegenüber ebenfalls ein großer Esser mit dem Namen Loge sitze und die beiden ein kleines Wettessen veranstalten sollten. Ein Diener brachte eine Schale mit Fleisch, die von einer zur anderen Seite des Tisches reichte und zwischen die beiden Esser gestellt wurde.

Gleichzeitig begannen nun Loke und Loge auf der jeweiligen Seite zu essen bis sie sich schließlich genau in der Mitte trafen. Loke hatte alles Fleisch auf seiner Seite gegessen. Als er jedoch zu seinem Gegenüber schaute, so stellte er fest, dass dieser nicht nur das Fleisch, sondern auch sämtliche Knochen und selbst den Behälter gegessen hatte.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juni 13, 2011

Andvaranaut, der verzauberte Ring

Andvaranaut gehörte in der nordischen Mythologie zum Schatz, den der Zwerg Andvare bewachte und der die Eigenheit hat, dass er Gold vermehren kann und damit dem Besitzer einen unendlichen Reichtum garantiert.

Als Oden, Höner und Loke Utter, einen Sohn Reidmars aus Versehen töteten, nahm dieser die drei Götter als Gefangene und zwang Loke den Zauberring Andvaranaut zu beschaffen, um im Gegenzug die Drei am Leben zu lassen. Loke überlistete Andvare und eignete sich den Ring an, den er anschließend Reidmar auslieferte.

Andvare kannte jedoch, wie alle Zwerge, Zauberrunen und belegte den Ring mit einem Fluch, der all seinen Besitzern Unglück und einen baldigen, gewaltsamen Tod bringen sollte. Dieser Fluch nimmt schließlich seinen Lauf, indem Fafne seinen Vater Reidmar tötet. Aber bis Sigurd Fafnesbane den Ring letztendlich Brynhild überreicht, sterben auch Fafne und Regin eines gewaltsamen Todes.

Wagner hat in seinem „Ring des Nibelungen“ die Geschichte um Andvaranaut der nordischen Mythologie übernommen und damit Andvaranaut unsterblich gemacht, auch wenn die Nibelungensage, die Wagner als Grundlage für sein Werk nahm, nicht vollständig mit der nordischen Mythologie übereinstimmt.
Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juni 12, 2011

Die erste Kraftprobe der Riesen

Nordische Mythologie Teil 27 - Der unbesiegbare Skrymer

Tor saß einige Zeit am Eingang der Höhle ohne dass etwas geschah. Plötzlich hörte er ein rollendes Donnern, das tief aus dem Inneren der Erde zu kommen schien und wie ein gewaltiges Gewitter klang. Dann begann die Erde zu schaukeln so dass die Höhle, in der Loke sich befand, nahezu einstürzte. Dann setzte das längste und stärkste Erdbeben ein, das Tor je erlebte.

Die ganze Nacht über folgte ein Erdbeben dem anderen, die immer nur von kurzen Pausen unterbrochen waren. Selbst Tor kam dieses Unwesen ungeheuer vor, zumal es die ganz Nacht über so dunkel war, dass man seine eigene Hand nicht vor seinen Augen sehen konnte.

Als die finstere Nacht am Morgen einem dunklen Dämmerlicht wich, so dass man zumindest die Konturen der Umgebung unterscheiden konnte, ging Tor einige Schritte vor die Höhle. Die Bäume des nahen Waldes wackelten mitsamt ihren Wurzeln und viele unter ihnen lagen wie in einem Chaos zwischen den noch stehenden Bäumen. Als Tor nichts geschah, folgte auch Loke ihm ins Freie.

Nachdem sich Tors Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, entdeckte er nahe der Höhle zwei riesige Füße, dann zwei Beine, die im Verhältnis zu den Schuhen noch größer waren, dann sah er den ganzen Körper, dessen Brustkorb sich mit dem Atmen auf und ab bewegte. Und schließlich entdeckte Tor auch den Kopf des Wesens und er bemerkte, dass das Erdbeben durch den Wind, der aus der Nase und dem Mund kam, entstand. Das Erdbeben wurde von einem schlafenden, schnarchenden Riesen verursacht.

Tor war sofort klar, dass er am vorherigen Abend diesen Riesen über dem Wald gesehen hatte. Auch wenn er eigentlich kein schlafendes Wesen töten wollte, so nahm er dieses Mal seinen Hammer Mjölner, holte so weit aus wie er nur konnte und schlug damit dem Riesen auf die Stirn. Der jedoch rief nur etwas im Schlaf, aber seine Stirn war unverletzt und er schnarchte weiter als ob nichts geschehen wäre.

Nun spannte Tor seinen Stärkegürtel so fest er konnte und schlug erneut zu, ohne dass er damit jedoch mehr erreichte als mit seinem ersten Schlag. Also schlug er ein drittes Mal zu. Dieses Mal wachte der Riese auf, fasste sich an die Stirn und murmelte etwas von einem Blatt oder einer Tannennadel, die ihm auf die Stirn gefallen seien und ihn geweckt hatten.

Tor war von der Reaktion des Riesen so überrascht, dass er ihn nur nach seinem Namen fragte. Der Riese antwortete, dass er Skrymer heiße. Und er fügte hinzu, dass er nicht nach dem Namen seines Gegenüber fragen musste, denn er wisse, dass der Asator wäre, also Tor der Asagötter.

Anschließend setzte sich Skrymer auf und sagte, dass er am Vorabend seinen Handschuh abgenommen habe. Als er danach griff, sah Tor, dass er und Loke die Nacht im Daumen des Handschuhs verbracht hatten. Dann setzte der Riese fort: „Falls du dich an Fjalar wagen willst, nimm dich in Acht, denn mit Fjalar hast Du nicht so leichtes Spiel wie mit mir.“

Tor fragte noch nach dem Weg zu Fjalar, was der Riese ihm mit einer Handbewegung beantwortete. Mit nur wenigen Schritten verschwand er dann aus dem Sichtfeld Tors.
Copyright: Herbert Kårlin
 

lördag, juni 11, 2011

Regin, der Kunstschmied

Regin gehört zu den Kunstschmieden der nordischen Mythologie und ist ein Sohn Reidmars, der einst Oden, Höner und Loke durch Zauberrunen in seine Gewalt brachte und sie erst gegen Lösegeld wieder frei gab. Regins Brüder sind Fafne und Utter.

Gemeinsam mit seinem Bruder Fafne tötet Regin seinen Vater Reidmar, um an das Lösegeld zu kommen, das der Vater für die Freilassung der drei Götter erhalten hatte. Zur Lösesumme gehörte unter anderem auch der Ring Andvaranaut, der auch in Wagner Oper „Der Ring der Nibelungen“ eine bedeutende Rolle spielt und über Zauberkräfte verfügt.

Regin ist auch der Zwerg, der für Sigurd Fafnesbane das Schwert Gram herstellte mit dem Sigurd, mit Unterstützung Regins, Fafner tötete. Da Sigurd Fafnesbane anschließend dachte, dass Regin ein Verräter sei, so tötete Sigurd auch den letzten Sohn Reidmars, nämlich Regin. Utter, der dritte Bruder war bereits früher von Oden getötet worden.

Regin ist ein gewöhnlicher männlicher Vorname in Schweden, aber auch der Name mehreren bedeutender Unternehmen oder eines Bootes. Die Gruppe Týr aus den Färöern widmete eines ihrer Stücke dem Zwerg Regin (Regin Smiður), wobei die Gruppe, die mittlerweile acht Platten veröffentlichte, eine Mischung aus Viking Metal und Folk zu altnordischen Themen spielt.
Copyright: Herbert Kårlin
 

fredag, juni 10, 2011

Der Riese Suttung in der nordischen Mythologie

Der Riese Suttung spielt in der nordischen Mythologie nur eine sehr kurze Rolle, die in Zusammenhang mit dem Dichtermjöd gesehen werden muss, das bisweilen auch als Suttungamjöd bezeichnet wird, obwohl Suttung selbst kaum Nutzen von diesem magischen Getränk hatte und es auch nur für kurze Zeit besaß.

Nachdem die beiden Zwerge Fjalar und Galar seine Eltern getötet hatten, erhielt der das Dichermjöd im Austausch dafür, dass er die beiden Zwerge leben ließ. Als Wächterin des Getränkes setzte Suttur seine Tochter Gunnlöd ein, die das Suttungamjöd jedoch an Oden aushändigte, da sie, wie auch Suttungs Bruder Bauge, von dem Gott getäuscht wurden.

Auch wenn der Riese Suttung nur eine geringe Rolle in der nordischen Mythologie spielte, so haben mehrere Schriftsteller-Vereine, aber auch Bauunternehmen den Namen des Riesen als Bezeichnung übernommen. Die norwegische Folkgruppe Trollfest widmet dem Suttungamjöd ein Lied, das zum Teil norwegisch, zum Teil deutsch gesungen wird: Sagaen om Suttungs-Mjöd.
Copyright: Herbert Kårlin
 

torsdag, juni 09, 2011

Die Riesen erforschen die Kraft Tors

Nordische Mythologie Teil 26 - Wie stark ist Tor wirklich

Nachdem Tor seine Pflegeeltern Vingner und Lora getötet hatte, kursierte unter den Riesen Jotunheims das Gerücht, dass Tor unendlich stark und das wagemutigste Wesen aller Welten sei. Da die Riesen weder den Menschen noch den Göttern wirklich wohl gesonnen waren, wollten sie wissen, wie es nun wirklich um Tor gestellt war und ob er alle Riesen besiegen konnte.

So beschlossen die Riesen, gemeinsam mit Loke, zu dem Tor volles Vertrauen hatte, ihn zu testen und ihn zu Fjalar zu locken, dem Zwerg, der die Zauberkunst am besten beherrschte. Fjalar war auch deshalb eine gute Lösung, weil er nicht in Jotunheim wohnte, sondern der Unterwelt, wo die Zwerge zu Hause waren. Dadurch waren sie sicher, dass Tor nicht misstrauisch wurde.

Wenig später machten sich dann Loke mit Tor, der seinen Hammer Mjölner bei sich trug, auf den Weg in die Unterwelt. Sie wanderten erst über Bifrost und durchwateten dann mehrere unterirdische Flüsse bis sie zu den Tälern Fjalars kamen. In den dunklen Schluchten setzten sie dann ihren Weg fort, in einer Landschaft, der jede Schönheit fehlt und in der jeder Schritt selbst dem Mutigen einen Schauder über den Rücken laufen lässt.

Loke und Tor wanderten viele Stunden durch diese gespenstige Landschaft, bis sie in fast kompletter Dunkelheit den Weg nicht mehr sehen konnten. Auch die Müdigkeit machte ihnen jeden Schritt schwerer. Als sie bereits anhalten wollten, entdeckten sie vor sich einen finsteren Wald auf dem eine menschliche Gestalt zu liegen schien. Diese Gestalt war so groß, dass die Bäume unter ihr fast wie ein Gebüsch aussahen. Plötzlich hörte man ein Geräusch, das so klang als ob die Welt unterginge und jemand auf den Wald gefallen sei und alle Bäume auf einmal geknickt hätte.

Als der schreckliche Lärm aufhörte, war die Gestalt über dem Wald verschwunden. Loke tat, als ob ihn das Geschehen zu Tode erschreckt hätte und verschwand in einer Bergspalte, die sich neben ihm befand. Tor folgte dem vermeintlichen Freund, wobei sich Loke tief in den Spalt zurückzog, als ob er sich vor einer Gefahr retten wollte. Tor hingegen setzte sich am Eingang nieder, nahm seinen Hammer und wartete ab, was nun geschehen würde.
Copyright: Herbert Kårlin
 

onsdag, juni 08, 2011

Die Zwerge Fjalar und Galar

Wie die meisten Zwerge der nordischen Mythologie, so sind auch Fjalar und Galar wenig freundliche Wesen und suchen immer das Beste für sich selbst, ohne jedes Mitgefühl für andere.

Fjalar und Galar waren die beiden Zwerge, die den weisesten Gott der nordischen Mythologie, nämlich Kvasar, der nach dem Vanakrieg aus dem Mjöd entstanden war, ermordeten. Da die Zwerge die Wirkung von Mjöd kannten, töteten sie Kvasar um sein Blut in drei großen Kesseln aufzufangen. Danach fügten sie etwas Honig zum Gärten hinzu und brauten damit ein eigenes Mjöd, dessen Wirkung sie sehr schnell feststellten. Ihr Mjöd wurde nämlich das berühmte Skaldemjöd, das Getränk, das jeden, der davon trinkt, zu einem exzellenten Dichter macht.

Wenig später luden Fjalar und Galar die Eltern Suttungs zu sich ein und töteten bei einem Fischausflug Gilling, den Vater Suttungs. Zurück an Land erfuhr die Mutter Suttungs was geschehen war, aber als sie die beiden Zwerge des Mordes beschuldigte, so töteten sie auch die Ehefrau Gillings.

Wenig später suchte Suttung seine Eltern bei Fjalar und Galar, da er wusste, dass sie bei den beiden zu Besuch waren. Als er deren Tat jedoch entdeckte, lockte er sie auf See und wollte sie ertränken. Sie flehten um ihr Leben und boten Suttung als Gegengabe ihr Dichtermjöd an. Suttung lies die beiden Zwerge am Leben, nahm die drei Kessel, versteckte das Mjöd noch tiefer im Berg Hnitberg und bat seine Tochter Gunnlöd das Getränk zu bewachen.
Copyright: Herbert Kårlin