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onsdag, juni 15, 2011

Andvare, der Bewacher des Schatzes

Der Zwerg Andvare ist in der nordischen Mythologie der Bewacher des größten Goldschatzes der Vorzeit. Zu diesem Schatz gehört auch der Zauberring Andvaranaut, der die Fähigkeit hat Gold zu vermehren. Der Zwerg wohnte in einer Schmiede, die ebenfalls den Namen Andvare trägt. Er ist oft mit seinem Schiff, das die Form eines Fisches hat, unterwegs um seine Nahrung im Wasser zu fangen.

Als die Asagötter Oden, Höner und Loke einst bei ihm vorbeikamen und mit ihm fischten, sahen sie eine Otter schwimmen, die Loke tötete. Die Otter war jedoch Utter, ein Sohn Reidmars, der sich sehr häufig in der Gestalt des Tieres seine Nahrung fing.

Da die drei Götter das Fell der Otter mit zu Reidmar nahmen und dieser unmittelbar seinen Sohn erkannten, nahm er die drei Götter gefangen und zwang Loke das Gold Andvares für ihn zu holen. Mit einem verzauberten Fischnetz konnte Loke Andvare gefangen nehmen und erhielt im Austausch gegen sein Leben das Gold und den Ring Andvaranaut.

Andvare verzieht Loke die List nicht mit der er sich das Gold angeeignet hatte und verzauberte den Ring, der in Zukunft nur noch Unglück über seine Besitzer bringen sollte. Zurück bei Reidmar gab er diesem das Gold und legte den Schatz auf das Fell seines Sohnes. Reidmar entdeckte jedoch, dass noch ein Haar sichtbar war. Erst daraufhin legte Loke auch den Ring, den er eigentlich selbst behalten wollte, ebenfalls auf das Otterfell. Dies rettete jedoch Loke das Leben, dagegen wurde Reidmar von seinem Sohn Regin aus Habgier ermordet.

Der Zwerg Andvare taucht in Wagners „Nibelungenlied“ unter dem Namen Alberich auf. Aber auch der Zwerg Gollum in Tolkiens „Herr der Ringe“ hat gewisse Zeichen Andvares. Der Zwerg Andvare, und vor allem sein Ring Andvaranaut, hat zahlreiche schwedische Künstler inspiriert, wobei der Name auch bei der Namensgebung mehreren Unternehmen eine Rolle spielt.
Copyright: Herbert Kårlin
 

lördag, maj 14, 2011

Die Menschheit vermehrt sich in Midgård

Nordische Mythologie Teil 15 - Wie die Menschen sich vermehren

Was mit den ersten Menschen in Midgård geschah, dass sie sich aus dem Samen des Yggdrasil entwickelten, wiederholte sich gewisser Weise auch in aller Zukunft, denn der Grundstoff des Menschen befand sich in allen Blumen und Früchten, die Yggdrasil auf Midgård trug.

Sobald die Früchte reif waren, fielen sie vom Baum in die Fensalar, in das Land, das Höner und seiner Tochter Frigge gehört. Diese Früchte wurden unmittelbar von Storkarne, einem Vogel Höners, der auch Langbein (Långben) genannt wurde, aufgesammelt und zu jenen menschlichen Frauen getragen, die sich nach einem Kind sehnten, das sie zärtlich in den Armen halten und aufwachsen sehen wollten.

Bevor diese Kinder jedoch zu ihren Müttern kamen, verlieh ihnen Lodur noch die gleichen Fähigkeiten, die er bereits Ask und Embla gegeben hatte, nämlich die Bewegung, warmes Blut und einen göttlichen Charakter. Höner gab ihnen eine Seele mit und Oden den Geist.

Allerdings konnten die Götter den Kindern keine Schicksale verleihen, die auch zu den wartenden Müttern passten. Diese Aufgabe hatte die Schicksalsgöttin Urd, die nicht nur jedem Kind sein vorgegebenes Schicksal mit auf den Weg gab, sondern auch entschied, zu welcher Frau auf Midgård dieses Schicksal passte.

Da es immer mehr Kinder gab, die ein Schicksal benötigten und Mütter suchten, konnte Urd diese Aufgabe nicht mehr allein erledigen und hatte daher Dienerinnen, die ihr bei dieser Aufgabe halfen. Diese Dienerinnen, ebenfalls Nornen wie Urd, kamen aus den verschiedensten Geschlechtern. Einige unter ihnen gehörten zu den Aser, andere den Alfer und die dritten waren Töchter von Dvalin, einem Sohn Mimers.

Alle Menschen wurden auf die gleiche Weise geboren und waren Früchte des Yggdrasil, besaßen die Gaben von drei Göttern und wurden zu einer Familie gebracht, deren gemeinsames Schicksal von Urd bestimmt war. Urd gab auch jedem Neugeborenen eine Norne mit auf den Lebensweg, die wie ein Schutzengel über den Menschen wachte und damit garantierte, dass das Leben nach der Bestimmung verlief.

So bekamen auch Ask und Embla Kinder und ihre Nachkommen vermehrten sich im fruchtbaren Aurvangalandet. Allerdings kannten Ask und Embla und deren Nachkommen kein Feuer, sie hatten kein Saatkorn und sie wussten nicht wie man Erze aus dem Boden gewinnen konnte. Sie hätten jedoch auch nicht gewusst wie man diese Erze zu Schmuck verarbeitet.

Es gab auch keine Gesetze in Aurvangalandet, die zu Beginn der menschlichen Welt Midgård auch nicht nötig waren, und die einzigen Götter, die ihnen bekannt waren, waren Oden, Höner und Lodur.

Gesetze benötigten die ersten Menschen nicht, da das Böse und die Verführung noch nicht nach Midgård gekommen waren. Die Menschen waren daher gutherzig, jedoch auch gutgläubig und leicht in die Irre zu führen. Um die Menschen gegen das Böse zu schützen, schickten die Götter Lehrer zu ihnen, die die guten Anlagen fördern und pflegen sollten. Gleichzeitig sollten diese Lehrer ihnen auch Bildung geben und sie an die Götter binden, die sie geschaffen hatten.
Copyright: Herbert Kårlin
 

fredag, maj 13, 2011

Die ersten Menschen in Midgård

Nordische Mythologie Teil 14 - Menschen bevölkern Midgård

Als Oden, Höner und Lodur eines Tages in ihrer Schöpfung Midgård unterwegs waren und sich der Schönheit dieser Welt erfreuten, fanden sie plötzlich, dass etwas fehlte, denn so schön Midgård auch war, es gab keine lebenden Wesen in ihrer neuen Welt. Wer sollte sich an der Schönheit Midgårds erfeuen und ihnen für die Herrlichkeit danken, die sie geschaffen hatten?

Die drei Götter wanderten in ihren Gedanken weiter und kamen zum Ufer des Nordmeeres, in eine Gegend, die Aurvangaland hieß und den südlichsten Teil des skandinavischen Halbinsel ausmacht. Dort standen zwei Bäume nahe beieinander, eine Ask (Esche) und eine Embla (Ulme).

Als die Götter diese beiden Bäume sahen, so kamen ihnen unmittelbar der Gedanke diese beiden Bäume zu Menschen zu machen. Lodur zog die Esche und die Ulme aus der Erde, so dass die Wurzeln frei lagen und gab ihnen die Möglichkeit sich nach eigenem Willen zu bewegen, Gleichzeitig verwandelte er den Saft der Bäume in rotes Blut und gab den Bäumen das gleiche Aussehen, das die Götter hatten.

Als Lodur damit fertig war, gab Höner ihnen das menschliche Bewusstsein, einen Willen und die fünf Sinne, damit sie bewusst leben konnten. Als auch dies geschehen war, gab ihnen Oden noch den Geist und die menschliche Seele. Damit waren die ersten beiden Menschen in Midgård geschaffen, Ask und Embla.

Als nun die ersten beiden Menschen völlig nackt vor den Göttern standen, so fühlten sie sich trotz ihrer Schönheit unsicher, was Oden sofort spürte. Er nahm daher seine eigenen prunkvolle Kleidung und bekleidete damit Ask und Embla, die sich damit selbst stattlich und schön fanden.
Copyright: Herbert Kårlin
 

fredag, april 29, 2011

Höner, der Gott, der sich nicht entscheiden kann

In der nordischen Mythologie werden Höner, Oden und Lodur oft in einem Zug genannt, da sie gemeinsam die beiden ersten Menschen, Ask und Embla, geschaffen haben und bei vielen Gelegenheiten gemeinsam handeln, auch wenn jeder von ihnen seine eigene Rolle hatte.

Das Asagott Höner galt als Berater Odens und, als er nach dem Vanakrieg in die Welt der Vaner zog, auch als Ratgeber der Vaner. Da er jedoch bei jeder Entscheidung, die er fällen sollte, unsicher war, holte er sich grundsätzlich bei Mimer Rat, so dass seine Ratschläge eigentlich immer Mimers Ratschläge waren.

Diese Unfähigkeit Höners, der bisweilen auch Vile genannt und als großer und schöner Gott beschrieben wird,  Entscheidungen zu fällen, wurde später Mimer zum Verhängnis. Die Vaner, die Höner zu ihrem Führer gemacht hatten, entdeckten, dass der Asagott seine Ratschläge immer bei Mimer holte und dachten, die Aser hätten sie beim Friedensschluss nach dem Vanerkrieg betrogen als sie Höner zu ihnen schickten. Als Rache schnitten sie daher Mimer die Kehle durch.

Höner hat im heutigen Schweden relativ wenige Spuren zurückgelassen, wenn man von den Älvsbyhus absieht, die mehrere ihrer Häuser nach den nordischen Göttern benannt haben, eines darunter Höner. Nach der nordischen Mythologie gehört Höner zu den Göttern, die Ragnarök überleben werden.
Copyright: Herbert Kårlin
 

onsdag, april 06, 2011

Der Untergang der eisigen Riesen und die Wächter von Hvergelmer

Nordische Mythologie Teil 5 - Die Vorbereitung der Erde

Nachdem Oden Mjöd getrunken und von Mimer die wichtigsten Zaubersprüche (Runen) erhalten hatte, fühlte er sich stark genug die Oberwelt mit der Erde von den Urgiganten zu befreien, also von Ymer und seinen Nachkommen.

Oden machte sich daher in Begleitung seiner Brüder Höner und Lodur auf den Weg zur oberen Welt, die sich im Geäst von Yggdrasil, dem Weltenbaum, befand. Ihre erste Tat dort war den grausamen Riesen Ymer zu töten, indem sie ihm die Halsschlagader aufschnitten. Das viele Blut aus dem Körper Ymers wurde zu einem Ozean in dem die Nachkommen des Riesen ertranken.

Aber genauer genommen wurden nur die Körper der Nachkommen Ymers getötet, denn die Seelen lebten weiter und verschwanden in der Unterwelt, wo sie sich nördlich des Nidalfjället in Nifelheim niederließen, einem Teil des Reiches, wo die ewige Nacht herrschte und frostige Nebelschwaden über stinkende Sümpfe schwebten.

In diesem Teil von Nifelheim bauten sich die Seelen der Nachfolger Ymers einen großen Saal und entwickelten sich zu gefährlichen Gegnern Mimers. Zum Geschlecht der Nachfolger Ymers gehörten die Geister der Krankheit, böse Zwerge, Morn (die unsterbliche Angst), Tope (der Wahnsinn), Ope (die herzzerreißenden Tränen) und Otåle (die permanente Unruhe und Sorge).

Zum Schutz gegen diese eisigen, hartherzigen Wesen stellten Mimer und Oden an der Quelle Hvergelmer, die die Grenze zu Nifelheim ausmachte, Wachen auf. Diese Wachen wurden von den Alven Ivalde und seinen drei Söhnen ausgewählt und geführt. Diese vier Alven hatten den Göttern der nordischen Mythologie ewige Treue geschworen und waren  nicht nur tapfere Kämpfer, sondern auch außerordentlich geschickte Künstler.

Die drei Söhne Ivaldes hatten von Mimer persönlich die Schmiedekunst gelernt, wobei Valand (oft auch Völund genannt) der geschickteste unter ihnen war und Kunstwerke schuf, die sonst nur Sindre, ein Sohn Mimers, zu Stande brachte. Unter den Brüdern Valands war Egil einer des besten Bogenschützen der Vorzeit und Slagfinn ein hervorragender Skiläufer.


Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, mars 17, 2011

Ask und Embla, die ersten Menschen

Nach der nordischen Mythologie sind nicht Adam und Eva, sondern Ask und Embla die ersten beiden Menschen. Auch wenn manche Parallelen zwischen den beiden Paaren existieren, so entstanden Ask und Embla ohne jeden christlichen Einfluss.

Ask, der erste Mann, und Embla, die erste Frau wurden natürlich von Oden (Odin) geschaffen, der hierbei jedoch zwei Helfer hatte, nämlich Höner und Lodur, wobei letzterer auch oft als Vile oder Ve bezeichnet wird.

Oden fand der Legende nach, als er gemeinsam mit seinem Ratgeber Höner und dem nordischen Gott Lodur am Strand entlang ging, zwei Baumstämme, eine Esche und eine Ulme. Indem Oden den Eschenstamm zum Mann schnitzte, gab er ihm den Atem, also das Leben, und das gleiche geschah mit der Ulme, die zur Frau wurde.

Höner, der Berater Odens verlieh den beiden Gestalten den Verstand und die Fähigkeit sich zu bewegen. Und Ludur schenkte dann Ask und Embla die sieben Sinne und Gefühle. Als Geschenk erhielt das Paar von Oden Midgård, die Welt der Menschen, die sie mit ihren Nachkommen bevölkern sollten.

Auch wenn die Christianisierung Schwedens diese Schöpfungsgeschichte, wegen der Parallelen, versuchte mit einem christlichen Einfluss zu erklären, so muss man bedenken, dass die Entstehung von Ask und Embla in die Gesamtheit der nordischen Mythologie eingebettet ist, denn Ask (die Esche) repräsentiert auch Yggdrasil, den Weltenbaum, der den Kosmos verkörpert.

Wie viele Figuren aus der nordischen Mythologie, so findet man auch Ask und Embla in Form von zahlreichen Kunstwerken und Skulpturen in Schweden. Sehr viele Kindergärten, Kinderhorte und Vereine nennen sich ebenfalls nach den beiden ersten nordischen Menschen, aber selbst mehrere Produkte des Landes übernahmen Ask und Embla.

Copyright: Herbert Kårlin